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Autor Thema: Hallo alle  (Gelesen 293 mal)
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Kati
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« am: 07. Mai 2008, 14:22:37 »

Hallo alle,

ich habe mich soeben hier angemeldet, da ich das erste Mal in meinem Leben mit Verschuldung zu tun habe. Da ich in der Schweiz lebe, ist mir schon klar, dass mir die rechtlichen Hinweise nicht wirklich helfen, aber ich hoffe auf moralische Unterstützung...

Vor einem Jahr zog ich zu meinem gutsituierten Freund in die  Schweiz. Relativ schnell stellte ich fest, dass er geldmässig sehr lässig ist, aber nie hätte ich mir träumen lassen, was da wirklich war.

Seit kurzem liegen die Karten nun auf dem Tisch- mein Freund hat ca. 300.000 Franken Schulden, trotz gutem Verdienst. Seit Jahren ist er finanziell unzuverlässig, so kam eins zum anderen, mit grösseren Löchern wurden kleinere gestopft. Ging lange gut, bis es nun aufknallte.

Nach dem ersten Schock war für mich klar, dass mein freund jegliche Unterstützung von mir erhält, ausgenommen finanzieller. Ich unterschreibe nichts, noch nicht mal den Mietvertrag unserer gemeinsamen Wohnung.

Was mir unerklärlich ist, wie ein sehr intelligenter Mensch derartig unlogisch handeln kann -es ist nichts von dem Geld übrig geblieben, keine Werte - das Geld ist rausgeflossen für Luxus wie essen gehen, Klamotten, einen verherrenden Leasingvertrag für einen hirnrissigen Sportwagen.

Ich kann es nicht nachvollziehen, wie jemand sehendes Auges mit Vollgas gegen die Wand fährt und doch so tut, als wäre alles ok.

Seit 5 Monaten ist mein Freund absolut ehrlich zu mir, ich habe sämtliche Vollmachten, kontrolliere die Post und teile das Geld ein. Das war nötig, weil mein Freund zuletzt Mahnbriefe ungeöffnet weggepackt hat, ich habe Schubladen voll gefunden.

Jetzt stehen wir auf der Kippe, es gibt eine Lohnpfändung, die wirklich heftig ist. Gleichzeitig gibt es ein Viertel eines Hauses, welches meinem Freund gehört. Es soll im Rahmen der Scheidung ausbezahlt werden - damit könnten wir eine Sanierung angehen.

Das Problem ist die Zeit: Wir haben nicht mehr viel davon und die Scheidungsvereinbarungen gestalten sich schwierig.

Manchmal möchte ich alles hinwerfen, ich bin wütend,  dass er so lange gelogen hat, verstehe wirklich nicht, wie jemand so kurzsichtig handeln kann und das diese Verdrängung so gut funktioniert hat.

Aber ich sehe halt auch, dass ihm mittlerweile klar ist, was er getan hat und es in Ordnung bringen will und auch akzeptiert, dass ich vorläufig die Kontrolle über alles haben möchte...

Ist das eine Art Krankheit, sich gegen alle Vernunft so zu verschulden? Geht es überhaupt, nach so vielen Jahren Unzuverlässigkeit wieder zu lernen, sich finanziell korrekt zu verhalten?

Und welche Art Unterstützung macht Sinn? Mir tut es leid, dass ich manchmal nicht mehr weiterkann und dann auch sehr harte Worte fallen, aber manchmal überwältigt mich das alles...

Danke fürs Lesen

Kati
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paps
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Beiträge: 2563

Danke
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« Antworten #1 am: 07. Mai 2008, 19:33:24 »

vorab:
Ich möchte mit diesem Posting keinen zu nahe treten.
Ich weiss auch, dass die häufigste Ursache für Überschuldung nun nicht gerade der teuere Leasingwagen ist.
Also bitte, ich schreibe jetzt nur zu diesem speziellen Fall.

nun zu Kati:
So wie ich das sehe, hat ihr Freund schon immer ein gutes Auskommen gehabt.
Und gerade hier liegt die Gefahr, dass man "sich was leistet" was dann eben doch nicht ganz in den "Einkommensrahmen" passt.

Dies ist am Anfang sicherlich keine Absicht oder Kurzsichtigkeit.
Ehr würde ich es mit finanzieller Risikobereitschaft  bezeichnen wollen.

Und dann dreht sich die Spirale.
Erst passt der finanzielle Rahmen nicht mehr. Dann glaubt man es doch irgendwie zu schaffen ohne genauer darüber nachzudenken, wo an anderer Stelle eingespart werden könnte, um im finanziellen Rahmen zu bleiben.

Wenn es dann "Oben" angekommen ist, dass es so nicht geht, ist der Schuldenberg meist schon so groß geworden, dass eine vernünftige und zeitgemäße Abzahlung nicht mehr möglich scheint.

Somit sind wir dann an dem Punkt, der dann leider (aber menschlich verständlich) folgt.
Es tritt eine nach außen vorgetragene Gleichgültigkeit ein.
Bei den meisten ist es jedoch im Inneren ganz anders.
Eigentlich drehen sich die meisten Gedanken nur noch um die Schulden. Die Konzentration auf die wesentlichen Dinge im Leben fällt schwer.
Bei einigen geht es so weit, dass sie regelrechte Angst vorm Telefon und dem Briefträger haben.

Nun kommt da plötzlich ein so liebenswerter Mensch wie Sie in das Leben des Schuldners.
Würden Sie am Anfang gleich mit offenen Karten spielen?

Letztlich haben Sie beide nun doch einen gemeinsamen Nenner bezüglich seiner Schulden gefunden.
Das ist das Wichtigste.
Es ist für ihn und für Sie einfacher dies gemeinsam durchzustehen.

Nun bin ich im Schweizer Konkurs- und Pfändungsrecht nicht so bewandert.
Sicherlich läßt sich aber auch dort mit den Gläubigern eine Vereinbarung über befristete Stundung und ratierliche Rückführung treffen.
Ihr Freund sollte schnellstmöglich den scheinbar benötigten Luxus beiseite schieben und versuchen, auch unter persönlichen Entbehrungen die Schulden abzubauen.

Dazu wünsche ich ihnen beiden Kraft und Durchhaltevermögen.

Gespeichert

Mfg Paps

Kenntnisse kann jedermann haben, aber die Kunst zu denken, ist das seltenste Geschenk der Natur"  [Friedrich der Große]


Paps ist Initiator und Leiter einer Selbsthilfegruppe für Schuldner und arbeitet hauptberuflich für die Debeka
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