Ethikbank will Schuldnern aus ihrer Misere helfen..
Von Susanne Arlt
Wer zahlt seine Miete in Bar oder holt sich den Gehaltscheck persönlich ab? Für den bequemen bargeldlosen Zahlungsverkehr gibt es schließlich Banken. Doch nach Schätzungen von Verbraucherschützern bekommen etwa 500.000 Menschen in Deutschland aufgrund von Schufa-Einträgen kein Konto bei einer Bank. Nicht so bei der Ethikbank im ostthüringischen Eisenberg.
Die Geldinstitute haben sich vor zehn Jahren zwar darauf geeinigt, jedem Bürger ein Guthabenkonto zu ermöglichen. Aber diese Selbstverpflichtung ist freiwillig. Für einen gesetzlichen Anspruch auf ein Konto bestünde kein Bedarf, zu wenige Menschen seien davon betroffen, argumentieren viele Politiker. Für den Einzelnen kann die Kündigung des eigenen Kontos allerdings ziemlich hart sein.
Sie sind nichts. Gar nichts mehr. Es ist kein Leben mehr, wenn sie da aus der Bank rausgehen. Ein furchtbares Gefühl.
Als Annelie Käßler die Schulden über den Kopf wuchsen, meldete sie Privatinsolvenz an. Und bekam prompt Post von ihrer Bank. Darin stand, dass die Bank kein Vertrauen mehr in sie als Kundin habe und darum das Konto kündige.
Die 62-jährige versuchte, bei drei anderen Banken ein Konto zu eröffnen. Und bekam jedes Mal dieselbe Antwort zu hören: Mit einem Eintrag bei der Schufa sei da nichts zu machen. Es gibt aber auch Banken, die sehen das anders, zum Beispiel die Ethikbank im ostthüringischen Eisenberg.
Die Tochtergesellschaft der Volksbank Eisenberg, die sich strikt an ethisch-ökologischen Kriterien orientiert, will Schuldnern aus ihrer Misere helfen. Sie müssen lediglich einen Nachweis über eine Privatinsolvenz oder eine außergerichtliche Regelung mit den Gläubigern vorlegen, dann bekommen sie ein Konto zum Pauschalpreis von monatlich 7,50 Euro.
Bargeldloses Einkaufen geht damit allerdings nicht, auch Dispokredite sind nicht vorgesehen. Eine Schutzmaßnahme, sagt Pressesprecherin Sylke Schröder.
Die Ethikbank verdient an dem Mikrokonto nichts. Man habe sich zu diesem Angebot entschlossen, weil immer mehr Kreditinstitute Schuldner abweisen und diese Menschen damit vom gesellschaftlichen Leben ausschließen würden, meint Schröder:
Ich glaube, dass in Zukunft dieses Thema, wie verhält sich ein Unternehmen seinen Anspruchstellern gegenüber Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, eine weitaus größere Bedeutung gewinnen wird als heute vor dem Hintergrund der Globalisierung. Die Menschen möchten einfach nicht mehr mit Unternehmen konfrontiert werden, die sich durch Kälte, Sachlichkeit und Kühle auszeichnen.
Einziger Haken an dem Mikrokonto: Man kann es nur über das Internet nutzen. Die Kontoeröffnung wird postalisch abgewickelt, doch alle Kontoverfügungen wie zum Beispiel Überweisungen oder Daueraufträge können ausschließlich online angewiesen werden. Sein Bargeld kann man an über 17.000 Geldautomaten der Volksbanken und Raiffeisenbanken abheben.
Doch Kontoauszüge kriegt man nur dort vor Ort, wo Volks- und Raiffeisenbanken an das Servicenetz angeschlossen sind. Regina Pilz, Schuldnerberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt in Eisenach, begrüßt das Angebot der Ethikbank, weist aber darauf hin, dass die wenigsten ihrer Schuldner einen Computer haben und das Internet nutzen könnten. Auch für Annelie Käßler ist das Mikrokonto keine Alternative. Sie wurde doch noch bei einer ganz normalen Geschäftsbank fündig.
Quelle: Deutschlandfunk