Die Arbeiter, Angestellten und Ihre Chefs sind verschwunden. Übrig bleibt das, was niemand haben wollte -Zeugnisse der Vergänglichkeit ökonomischen Erfolgs. Ein Essay
von Karsten Polke-Majewski
Die Menschen sind weg. Statt ihrer arbeiten andere Kräfte an dem, was
die Pleite übrig ließ. Wasser dringt in leerstehende Gebäude ein, Moos
wächst am Boden, Schimmel bildet sich unter der Decke. Die alte Ordnung
endet, neue Regeln gelten.
Susanne Ludwig hat fotografiert, was
bleibt, wenn ein Unternehmen bankrott ist. Von einem Tag auf den
anderen verwandeln sich Büros, Produktionshallen, Ladenlokale in leere
Räume voller sinnlos zusammengestellter Teile. Es gibt viele davon.
36.843 Firmen gingen 2005 pleite. Das sind zwar sechs Prozent weniger
als im Jahr zuvor. Ein
Ende der Pleitewelle lässt sich daraus aber nicht ablesen.
1991 hatte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen noch unter 10.000
gelegen. Doch Ende der neunziger Jahre brachen immer mehr Unternehmen
zusammen, nicht nur in Ostdeutschland. Die Zahl verdreifachte sich
binnen kurzem. Zurück bleiben Bilder fortschreitenden Verfalls, die
Kehrseite unseres Wirtschaftens.
Hagenuk, Kiel